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Richtig laufen will gelernt sein

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  • Lauftrainer wrote on 19.10.2014 - 18:12

    Die meisten Freizeitläufer setzen mit der Ferse oder dem ganzen Fuß auf und rollen dann über den Ballen ab. Laufen sie alle falsch?
    In gewisser Hinsicht ja. Gehen und Laufen sind Fähigkeiten, die der Mensch im Laufe seiner Geschichte ohne Hilfsmittel wie Schuhe ausgebildet hat. Und wenn Sie barfuß laufen, merken Sie schnell, dass das Aufsetzen mit der Ferse oder dem ganzen Fuß stark schmerzt. Automatisch werden Sie auf Ballen- oder Vorfußlauf umstellen, weil so die Aufprallenergie besser abgefedert wird. Außerdem ist der Fuß zum Abrollen gar nicht geeignet, weil sein Gewölbe konkav und nicht konvex ist.
    Also sollten wir nun alle auf Vorfußlauf umstellen?
    Nein, wer übergewichtig ist oder die muskulären Voraussetzungen noch nicht ausgebildet hat, der sollte beim herkömmlichen Ballenlauf bleiben. Allerdings ist dieser Laufstil ein Kompromiss.

    Welche Nachteile gibt es?
    Zum einen wird durch die fehlende Abfederung der gesamte Bewegungsapparat stärker belastet. Außerdem verstärkt die Mehrbelastung des Rückfußes die Tendenz zur Überpronation, also zum Abknicken der Fußes nach innen. Dagegen wird beim Vorfußlauf eine rückenschonende Bewegungskette bis zur Wirbelsäule aktiviert.

    Wie konnte es passieren, dass sich ein anatomisch falscher Laufstil verbreitet hat? Ist der Schuh schuld?
    Zumindest macht es uns der Schuh schwer, anatomisch korrekt auf dem Vorfuß zu laufen. Durch die erhöhte Ferse müssen wir den Fuß mehr strecken. Gleichzeitig dämpft der Schuh den an sich unangenehmen harten Aufprall beim Ballenlauf. Wie der Schuh den Laufstil verändert, kann jeder für sich selbst testen, indem er barfuß über eine taunasse Wiese joggt.

    Also ab morgen nur noch auf dem Vorfuß laufen?
    Besser nicht. Sie können Ihren Bewegungsstil nicht abrupt in die Vor-Schuh-Zeit „zurückbeamen“. Wer umstellen will, sollte schrittweise vorgehen. Starten Sie mit drei Intervallen à 60 Sekunden während eines Dauerlaufs. Wenn Sie sich gut dabei fühlen, streuen Sie diese Intervalle öfters in Ihr Lauftraining ein. Wenn Sie sich schlecht dabei fühlen, lassen Sie es besser ganz.

    Wie lange braucht ein Freizeitläufer, um seinen Laufstil komplett umzustellen?
    Ein erfahrener Läufer braucht etwa drei bis sechs Monate.

    Wird man mit dieser Technik auch schneller?
    Theoretisch ja, weil man dabei Energie spart. Denn beim Vorfußlauf fallen die vertikalen Schwankungen des Körperschwerpunktes während der Laufbewegung geringer aus – es muss also weniger Gravitationskraft überwunden werden.

    Welche Muskeln werden beim Vorfußlauf mehr gefordert?
    Die Zehenbeuger, der hintere Oberschenkel, die Gesäßmuskulatur, sogar der Rückenstrecker – aber vor allem die beiden Wadenmuskeln.

    Ist es sinnvoll, diese Muskelpartien vor und während der Umstellungszeit gezielt zu stärken?
    Unbedingt. Ich empfehle eine Mischung aus Kraftausdauer- (zwei bis drei Sets à 25 bis 40 Wiederholungen) und Hypertrophie-Training (zwei bis drei Sets à 8 bis 15 Wiederholungen) für die Wadenmuskeln.

    Sollte man sich auch andere Schuhe zulegen?
    Eventuell. Ungeeignet für den Vorfußlauf sind Schuhe mit starker Fersenerhöhung und Anti-Pronationsstütze.
     

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