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Mostviertel Radtour

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  • Mountain Biker wrote on 20.6.2011 - 23:50

    Mostviertel – Auf den Spuren des Mosts geht es an die Geburtsstätte Österreichs. Ein unvergessliches Erlebnis ist garantiert

    Wie ein grosser Obstgarten präsentiert sich das klimatisch angenehm milde Mostviertel. Geografisch zu finden nahe der Donau auf der einen Seite und dem Alpenvorland mit seinen teils hügeligen Wiesenlandschaften und Waldgebieten auf der anderen Seite, ist es die Heimat der Mostbarone und Schnapsbrenner, der Winzer und Bauern. Hier liegt auch St. Pölten, die Hauptstadt Niederösterreichs. Zahlreiche kulturelle Leckerbissen und ein teilweise atemberaubendes Panorama bilden hier ein sehenswertes Paar. Vorallem jetzt im Oktober präsentiert sich das Mostviertel im herbstlichen Kleid als farbenfrohes Spektakel – ein wahrer Genuss für die Sinne. Am besten zu erkunden ist das grösste geschlossene Birnbaumgebiet Europas auf einer der zahlreichen Radtouren. Dabei ist für jeden Geschmack genau das Richtige dabei: ein- oder mehrtägig, leicht bis körperlich anspruchsvoll, Familientour oder Powerstrecke. Wir haben uns für die leicht zu fahrende Moststrassentour entschieden und dabei drei Tage eingeplant, was einem ungefähren Tagessoll von 40 gemütlich dahingeradelten Kilometern entspricht. Die Moststrassentour bietet die Möglichkeit einer flexiblen Tourgestaltung, da sie neben einem Rundkurs auch ein verzweigtes Netz an mehreren anderen Möglichkeiten bietet. Unsere ersten Zwischenziele Amstetten, Neuhofen, Seitenstetten und Haag sind wir brav auf dem vorgegebenem Rundkurs gefahren und haben dann leicht umdisponiert und sind auf eigenen Pfaden entlang der Radwege Richtung Donau unterwegs gewesen. Aufgrund der guten Infrastruktur entlang der beinahe durchgehend asphaltierten Radwege kann man riskieren, ohne jegliche vorherige Recherche von Nächtigungsgelegenheiten auszukommen. Denn gemütliche Moststrassenwirtshäuser, urige Moststrassenheurige, bäuerliche Ab-Hof-Betriebe und Urlaub am Bauernhof-Betriebe liegen direkt am Weg. Wem das allerdings zu heikel ist, der kann auf den einschlägigen Internetseiten aus einem grossen Fundus an Mostwirten vor der Abfahrt Nächtigungen buchen. Auf keinen Fall sollte man allerdings ohne Karte unterwegs sein. Die Radwege sind zwar äusserst gut gekennzeichnet, jedoch hat sich auch bei uns dann und wann der Blick auf die Lagekarte als sehr hilfreich erwiesen. Wer allerdings lieber in fachkundiger Anweisung das Mostviertel entdecken möchte, der heuert sich einen SEPP an. Das sind eigens geschulte mostviertler Reiseführer, die Tageweise mietbar sind und so auf der Tour begleiten und in die letzten Geheimnisse einführen.
    Angereist sind wir mit der Bahn, was den Vorteil einer gewissen Flexibilität bringt, da man nicht unbedingt wieder zum Ausgangsort retour fahren muss und irgendwo einsteigen kann um wieder heim zu kommen – was bei einer Anreise mit dem Auto ein Problem gewesen wäre. Ausserdem fahren die Räder in den dafür vorgesehenen Zügen unentgeltlich mit.
    Ausgangspunkt der Moststrassentour war Amstetten. Dort angekommen war der Radweg dank eines freundlichen Passanten schnell gefunden. Der begann auch gleich zu schwärmen vom Mostviertel und seinen Vorzügen. Auf gar keinen Fall sollten wir uns den Ab-Hof-Verkauf des wunderbaren Mosts entgehen lassen. Denn dieser sei der beste in Österreich. Von ihm erfahren wir, dass der Herbst die beste Zeit ist, um ins Mostviertel zu kommen. Denn von Ende August bis November finden vielerorts entlang der insgesamt rund 200 Kilometer langen Moststrasse zahlreiche Festivitäten statt, wo Mostwirte zur Verkostung des begehrten Safts einladen und typische Mostschmankerl auftischen. Auch von den bekannten Gödnmosttagen, die rund um Martini stattfinden, erfahren wir. Da wird nämlich der junge, spritzige Most zum ersten Mal verkostet. Mit diesen Tipps ausgestattet, machen wir uns auf den Weg und verlassen Amstetten.


    1000 Jahre Österreich
    In Neuhofen/Ybbs machen wir kurz Pause und werden mit dem ersten kulturellen Highlight der Tour belohnt: Dem Ostarrichi-Kulturhof. Ein Gang durch die tausenjährige Geschichte des Landes von „Ostarrichi“ bis zur Republik Österreich erwartet den interessierten Besucher. Neben 1000 Jahre alten Getreidekörnern und der ersten eigenen Münze Österreichs befindet sich dort ein Faksimile des „Taufscheins Österreichs“. Denn im Mostviertel liegt der Ursprung der Alpenrepublik. Im Jahre 996 schenkte Kaiser Otto III. dem Bischof von Freisingen einen Königshof mit dreißig Königshufen – eine damals übliche Schenkungsgröße von etwa tausend Hektar – in der Gegend von Neuhofen. In dem Schenkungsvertrag wurde der Landstrich damals „Ostarrichi“ genannt. Auch die rot-weiss-rote Flagge hat ihre Anfänge im Mostviertel.
    Mit soviel Geschichte im Gepäck geht es weiter zwischen Spalieren von malerischen Mostbirnbäumen und sehenswerten Panoramablicken. Nach etwa 40 Kilometern erreichen wir Seitenstetten mit seinem bekannten Stift, auch als „Vierkanter Gottes" bekannt. Wir entschliessen uns hier für die erste Nächtigung und finden nach kurzem suchen – wie sollte es anders sein – ein Zimmer gleich nebem dem Stift in einem Kloster. Übrigens vermietet das Stift selbst auch Zimmer. Nach einer netten Begrüssung durch die Nonnen bekommen wir ein paar interessante Informationen zum Stift. „Ora et labora“ – bete und arbeite – nach dem Leitspruch des Benediktinerordens war Arbeit ursprünglich die Arbeit im Garten als Ausgleich zur geistigen Tätigkeit. So entstand im Laufe der Zeit der in barocken Grundrissen angelegte Hofgarten als Balsam für die Seele der Mönche. Neben seiner prachtvollen Sammlung an historischen Rosensorten bietet er erschöpften Besuchern die Möglichkeit der Rast – zwischen Obstbäumen und Sandsteinvasen findet man sogar Hängematten.
    Am nächsten Morgen geht es nach einem himmlischen Frühstück weiter auf der Moststrasse Richtung Haag, wo uns das Mostviertelmuseum erwartet. Auf dem Weg dorthin nehmen wir die Gelegenheit wahr und besorgen uns den wunderbaren Birnenmost direkt vom Hof. „Birnenmoste sind europaweit etwas Einzigartiges. Denn überall sonst werden eher säuerlich schmeckende Apfelmoste getrunken. Im Mostviertel hingegen bevorzugt man fruchtig-milde Birnenmoste“, erzählt uns der Wirt. Der Alkoholgehalt der Birnenmoste liegt übrigens zwischen 4 und 8 Volumsprozent.
    Nach der fruchtigen Erfrischung geht es weiter durch malerische Dörfer und an den prächtigen Vierkanthöfen der Bauern vorbei nach Haag. Dort erwartet uns – wie bereits erwähnt – das Mostviertelmuseum mit seiner grossen Sammlung über viele Geräte, die in der bäuerliche Kultur- und Arbeitswelt verwendet wurden. Daneben ermöglicht das Museum einen interessanten Einblick in die bäuerliche Wohnkultur und Hauswirtschaft. Nach einem langen eindrucksvollen Tag finden wir einige Kilometer nach Haag die nächste Schlafmöglichkeit.
    Am letzten Tag unserer Tour stossen wir bis zur Donau vor. Dort geht es entlang dem Radweg bis nach Ardagger, wo die letzten Höhepunkte auf uns warten: Das Stift Ardagger und das MostBirnHaus. Das Stift ist bekannt für sein 1234 im Zuge der spätromantischen Bauphase entstandenes kunsthistorisch hochbedeutsames Fenster. Es ist das einzige fast vollständig erhaltene Glasgemälde mit szenischen Darstellungen aus dieser Entstehungszeit Österreichs und das älteste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Nach diesem Kunstgenuss begeben wir uns im MostBirnHaus auf die Spuren des Mosts. Bereits die Kelten kannten ihn, die Römer verfeinerten ihn und Maria Theresia ordnete seine Herstellung an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlangte er durch den Bau von Strassen überregionale Bekanntheit. Nach dem 2. Weltkrieg aus der Mode gekommen erleben die Mostviertler Birnenmoste seit einiger Zeit eine Renaissance. Uns soll´s recht sein. Uns so geniessen wir zum Abschluss der Tour noch einmal den besten Most der Welt.


    INFO
    Buchung
    Mostviertel Tourismus
    A-3250 Wieselburg
    Adalbert Stifter-Straße 4
    Tel +43(0)7416/521 91
    Fax +43(0)7416/530 87
    office@most4tel.com

    www.moststrasse.at
    Seite mit Infos zu den Mostheurigen, Mostwirten, Abhofverkauf des Mosts und Urlaub am Bauernhof

    www.mostviertel.at
    www.mostviertel.info

    Rent a SEPP
    Für einen halben Tag (max. 4 Stunden) kostet das SEPP-Service € 108,-, für einen ganzen Tag (bis 8 Stunden) € 162,-
    Kontakt: Anita Eybl,
    T/Fax 07443/864 59 oder 0660/214 67 90
    anita.eybl@ybbsitz.at

    www.ostarrichi-kulturhof.at
    Preise:
    Erwachsene 3, 00 €
    Schüler, Studenten 1, 50 €

    www.stift-seitenstetten.at
    http://farfeleder.at/Stift_Ardagger
    www.mostbirnhaus.at

     

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